Meine Heimat Ukraine (2013/14) – Teil 3

Hallo Freunde,

Eigentlich wollte ich über die Ukraine nicht mehr schreiben. Aber die aktuellen Ereignisse zwingen mich trotzdem dazu. Es ist alles auch eine Art der psychologischen Aufarbeitung.

Noch vor wenigen Wochen schrieb ich im 2ten Teil über die Ereignisse auf der Krim. Ich erklärte warum die neue Regierung auf der Krim die militärischen Stützpunkte für eine Gefahr hält, warum hält man die ukrainischen Soldaten dort für Besatzer. Nun, mittlerweile sind alle Stützpunkte auf der Krim übernommen, die ukrainischen Soldaten dort sind abgezogen oder übergelaufen.

Generell ist die Armee in einem funktionierenden Staat ein Werkzeug. Dieses kann man sowohl zum Guten, als auch zum Schlechten einsetzen. Es ist vergleichbar mit einem Messer, normalerweise  benutzt man so was in der Küche. Aber ist der Träger des Messers unberechenbar – so wird das Messer zum Werkzeug des Tötens.

Ich habe davor gewarnt die ukrainische Armee als etwas Gutes anzusehen – das Werkzeug ist gerade in den falschen Händen. Was passiert wenn man solche Warnungen nicht ernst nimmt, sieht man jetzt in der Ostukraine.

In Ostukraine sind die Menschen verzweifelt. Ich habe erzählt, da leben viele Ukrainer und Russen, die meisten verdienen ihr Geld im Bergbau. Diese Leute werden jetzt bedroht, ihre Sprache wird offiziell nicht anerkannt, ihre Rechte werden beschnitten, sie halten zudem die Regierung nicht für legitim. Und man schickt nun Panzer, spezielle Armeehubschrauber, ja – selbst Geschütze auf diese Leute.

In Anbetracht dessen, dass die „Regierung“ in Kiew tatsächlich ’nicht legitim‘ ist sind die Forderungen aus dem Osten bescheiden – die Rückkehr des einzigen legitimen Präsidenten (Janukowitsch), die demokratischen Neuwahlen, die komplette Entwaffnung der faschistischen Neo-Nazis.

Was auffällt – keine der Forderungen ist realistisch. Daher entschlossen sich die Menschen in der Ostukraine ihre (einzig realistische) Kernforderung durchzusetzen: die Abspaltung von der Ukraine, sowie das Referendum über den künftigen Status der Ostukraine.

Noch vor allen diesen Ereignissen in der Ukraine, ich muss sagen, hat die Ostukraine die gesamte Ukraine ernährt. Im Osten der Ukraine sind die meisten Werke zur Produktion von verschiedenen Waren, die meisten Zechen für Bergbau, die komplette Industrie der Ukraine. Und nun also werden diese Leute bedroht, ja PHYSISCH AUSGELÖSCHT – und sie sollen sich nicht wehren?

Als ich von dem Abkommen in Genf hörte, musste ich lachen. Die Entwaffnung aller militanten und faschistischen Gruppierungen? Wie soll das gehen, vor allem wenn die USA dies zuerst von der Ostukraine erwarten – und zwar von heute auf morgen… Im Osten gibt es keine militanten faschistischen Gruppen à la „Rechter Sektor“, die Leute bewaffnen sich GEGEN die faschistischen Gruppierungen.

In einer kleinen Stadt namens Slowjansk spielen sich z. Zt schreckliche Dinge ab. Während die Faschisten aus Kiew dahinfahren, um die unbewaffneten Leute an Osterfeiertagen umzubringen (ich habe da kein Zweifel, dass da die Leute aus Kiew dahinterstecken), tut man so als seien die Russen und deren Präsident Putin schuld.

In Luhansk ist es noch schlimmer, da fliegen 2 Armeehubschrauber durch die Luft und schiessen auf Menschen. Zusätzlich sind da ukrainischen Kampfpanzer, MTW’s, sowie Armee unterwegs. Von welcher Entwaffnung kann da die Rede sein, wenn man zufällig zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort unterwegs ist und erschossen wird? Eine Freundin von mir aus Luhansk konnte nicht arbeiten gehen – das war lebensgefährlich!

Neulich lese ich bei SPON ein Interview mit dem von mir bereits mehrfach erwähnten Dmitri Jarosch. Ich dachte ich sehe nicht richtig, mit einem gesuchten Terroristen macht man ein Interview? Zuviel Aufmerksamkeit und PR für den Typen.

Ich habe Dmitri Jarosch bereits mehrfach erwähnt. Zur Person Dmitri Jarosch: Er kämpfte gegen Russen in Tschetschenien, wird in Russland als Terrorist gesucht, und ist derzeit als Anführer einer ultrarechten Neo-Nazi-Gruppierung „Rechter Sektor“. Somit also ein Vollblut-Terrorist. Und ich finde es nicht in Ordnung, wenn man ein Interview mit einem Terrorist macht.

Update: Also langsam wird es mir zu bunt. Vor allem im Osten. Ich erkläre was ich meine.

Viele Fragen sich warum die Menschen im Osten sogar zu Geiselnahmen bereit sind. Nun, es ist so: In einem Machtvakuum glaubt niemand niemandem, die einzige Person der man glaubt – die Person selbst.

Die Menschen glauben also niemandem und sind zum äußersten bereit, um sich Gehör zu verschaffen. Zwar heiße ich die Geiselnahmen nicht gut, aber ich verstehe warum dies passiert. Dass unter den Menschen, die als Geiseln in Slowjansk genommen worden sind auch Bundeswehrsoldaten zu finden waren, ist aus ukrainischer Sicht verdächtig.

Neulich sah ich eine Polit-Talkshow im russischen Fernsehen („Der Abend am Sonntag mit Wladimir Solowjow“, jew. Sonntags nach den Nachrichten) und musste herzlich lachen. Eine junge Frau aus der Ukraine, Mitglied der ukrainischen kommunistischen Partei, meinte, dass zur Lösung des Konfliktes die Parteien und Gegenspieler „Harmonie“ in der Ukraine finden müssten. Hallo? Geht’s noch oder braucht die Frau schon einen Arzt? Die Frau sollte froh sein überhaupt zu leben. Jeder Tag den sie zum Leben kriegt, ist wertig. Jarosch und seine Leute können das aber ganz schnell „korrigieren“. Welche „Harmonie“?

Zur Information: die Mitglieder der kommunistischen Partei in Kiew wurden aus ihrer Parteizentrale im Zentrum Kiews rausgejagt, das Gebäude wurde komplett angezündet. Es war ein Großbrand, nichts blieb übrig. Teilweise wurden die Mitglieder mit Molotowcocktails getötet. Alles „Rechter Sektor“. Soviel zur „Harmonie“.

Ebenfalls habe ich die Märsche anläßlich der Gründung der „SS-Galizien“ mitten durch Kiew gesehen. Es war erst vor kurzem. Interessierte schlagen die Wikipedia ausführlich nach. Da bin ich sprachlos.

Nun, ich komme noch ganz persönlich auf die Machtverteilung in der Ukraine zu sprechen. Die Macht in der Ukraine befindet sich in den Händen von Oligarchen. Viele davon haben jüdische Wurzeln oder Staatsbürgerschaft. Neben Pjotr Poroschenko, der mit Schokolade seine Geschäfte machte, ist Igor Kolomojski so einer. Kolomojski besitzt mehrere Banken und Werke, sowie Ölraffinerien.

Nun warum ich explizit jüdische Wurzeln bzw. Staatsbürgerschaft betone? Findet niemand unlogisch, dass trotz jüdischer Staatsbürgerschaft sowohl Poroschenko – als auch Kolomojski – den „Rechten Sektor“ finanzieren? Bisher klappt das gut, aber Jarosch wird beide früher oder später „loswerden“, die Gelder an sich reißen. Glauben die Oligarchen, sie können ihre Haut retten, indem sie sich „freikaufen“?

Flashupdate: Am 02.05.14 wird es laut internen Quellen eine komplette, vernichtende Strafaktion gegen Zivilbevölkerung (vielfach als Separatisten bezeichnet) im Osten geben. Mit dem „Rechten Sektor“ mittendrin, damit dies auch gut funktioniert. Hammer.

 

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2 Kommentare zu “Meine Heimat Ukraine (2013/14) – Teil 3

  1. Alexei sagt:

    Ich habe es schwer momentan zu schreiben: der 02. Mai ist ein Tag, der sich in die Geschichte einprägen wird, als Tag an dem in der Ostukraine der Genozid eröffnet wurde.

    In der Ostukraine, in Slowjansk kämpfen ukrainische Truppen (die übrigens davon ausgehen, dass sie gegen Terroristen kämpfen) gegen die unbewaffnete Zivilbevölkerung. Dabei werden diese von dem „Rechten Sektor“ unterstützt, diese Nazis bringen jeden um, der sich bewegt.

    In der Stadt Kramatorsk schießen ukrainische Truppen die zivile Bevölkerung nieder – teilweise brutal. Es wird berichtet, dass ukrainische Truppen unter Drogeneinfluss stehen.

    In der Stadt Odessa (übrigens die Stadt, die Faschismus im 2ten Weltkrieg bekämpfte) wurde vom „Rechten Sektor“ das „Gewerkschaftsgebäude“ angezündet – etwa genauso, wie „Rechter Sektor“ in Kiew das Gebäude der Parteizentrale der kommunistischen Partei angezündet hat.

    Folge des Brandes in Odessa: 43 Leute wurden eingeschlossen und beim lebendigen Leibe verbrannt.

    Ich bestehe darauf, dass man den Zynismus weglässt, momentan sieht man diesen Zynismus überall in den westlichen Medien.

  2. Lisa Tymoshenko sagt:

    Nein, es wundert mich überhaupt nicht, das jüdische Bürger in der Ukraine Faschisten finanzieren. In Deutschland taten sie es 193 auch, in der Hoffnung, Hitler werde mit dem „armen Judenpack aus den Schtetle Osteuropas aufräumen. Und was anderes tut übrigen Goldman Sachs? Und ich bin KEINE Antisemitin!

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