Odessa. Ein Wendepunkt?

Liebe Freunde,

An dieser Stelle möchte ich ein paar Worte über die schicksalhafte Tragödie von Odessa verlieren, die sich am 02. Mai 2014 ereignet hat. Dieser Tag – der 02. Mai – wird sich für ewig ins Gedächtnis der Bewohner von der ukrainischen Stadt Odessa einbrennen. Das ist ein Tag, an dem unschuldige und unbewaffnete Menschen in ein Hinterhalt gelockt und bei lebendigem Leibe verbrannt wurden.

Odessa ist nicht nur irgendeine Stadt. In dem 2ten Weltkrieg spielte die Stadt eine große Rolle, viele Menschen starben dort als Kriegsgefangene und Odessa musste unter vielen Opfern befreit werden.

Es gibt in Odessa ein Gewerkschaftsgebäude, dieses wurde seiner Zeit noch von Sowjets gebaut und ist ein geschütztes Denkmal einmaliger Bauart gewesen. Hinter dem Gebäude haben Menschen ein Zeltenlager aufgebaut, wo sie Unterstützung für ihre Freunde in Donezk und Luhansk forderten (die Bezeichnung „prorussische Demonstranten“ geht mir dabei gehörig auf den Keks).

Im Zuge der Ereignisse der letzten Wochen und Monate kamen auch echte Nazis an die Waffen (so auch der „Rechte Sektor“) den ich mehrfach erwähnt habe. Rund 4.000 Anhänger des „Rechten Sektors“ – bis an die Zähne bewaffnet – fuhren an diesem Tag nach Odessa. Bereits während der Fahrt und gleich danach kam es zum Tumult und Schlägereien zwischen einzelnen Gruppierungen.

Direkt nach der Fahrt kamen sie mit der Polizei in Berührung, die allerdings den Befehl hatte nicht einzuschreiten. Um später alles auf Russland zu schieben gab es noch eine andere Gruppierung, die extra Sankt-Georgs-Band auf der Kleidung hatte, allerdings auch ein rotes Klebeband um den Arm auch – ein Nazi-Erkennungszeichen. Das sieht man deutlich auf den Bildern. Mit dieser Gruppierung schlug man sich zunächst wie wild, manche Bewohner der Stadt dachten, das seien keine Nazis gewesen (wegen Sankt-Georgs-Band), aber das waren welche sehr wohl.

Schließlich kam der ganze jolende Mob an ultrarechten Neo-Nazis zu dem Gewerkschaftsgebäude und fing als erstes an das Zeltenlager abzufackeln, während einige ultrarechten die Hinterausgänge des Gewerkschaftsgebäudes verriegelten und besetzten.

Das Kräfteverhältnis war eindeutig ungleich: 4.000 Neo-Nazis gegen etwa 200-300 Menschen im Zeltenlager. Als die Zelten zu brennen anfingen, waren die Menschen verständlicherweise in Panik geraten und „retteten“ sich in die Falle – das Gewerkschaftsgebäude. Die Türe mussten dabei aufgebrochen werden. Als alle drinnen waren fingen die Neo-Nazis die Türe mit Molotowcocktails zu bewerfen, der erste Stockwerk fing Feuer. Auch die Nazis, die bereits in dem Gebäude waren und auf die Opfer lauerten, hatten Molotowcocktails parat.

Neben den Molotowcocktails kam auch ein nicht näher genanntes Gas zum Einsatz, das in Verbindung mit einem Molotowcocktail in einem geschlossenen Raum das Atmen lähmt. Laut Ärzten, die später die verbrannten Leichen analysierten, brannten die Lungen bei vielen VON INNEN aus.

Die Menschen, die sich aus den Fenstern des 3ten, teilweise 5ten Stockwerks wegen Feuer und Gas mit einem Sprung zu retten versuchten wurden totgeprügelt oder erschossen. Scharfschützen des „Rechten Sektors“ mit Sankt-Georgs-Bändern und roten Klebebändern wurden platziert, sie schossen gezielt. Die Polizei schaute dem Schauspiel emotionslos zu, hatte den Befehl nicht einzuschreiten. Manche Polizisten hatten ebenfalls ein rotes Klebeband um den Arm. Da soll jeder also sich ein Bild von der Polizei machen.

Die meisten Menschen wurden jedoch nicht vom Feuer oder stickigem Gas getötet. Irgendwann war es für den Nazi-Mob da unten nicht genug. Mit Gasmasken ausgestattet kamen sie in das Gebäude, suchten jeden einzelnen Überlebenden und verbrannten ihn. Da die meisten Leichen am Kopf und Händen ausbrannten, haben die Mörder wohl jedem einzelnen Napalm auf den Kopf geschüttet und Kopfhaut angezündet. Dabei brannte eben die Kopfhaut aus, da aber das Opfer versuchte Napalm auch noch mit Händen wegzubekommen, eben auch die Hände.

Ich möchte hier ein Link aus der russischen Presse verlinken (Achtung, nichts für schwache Nerven. Und 18+): How the thugs killed in Odessa inhabitants in the Trade Unions House – the details of bloody scenario. Der Link hat sowohl russischen Text, als auch englische Übersetzung unterhalb des russischen Textes. Die Photos sind schockierend und entsprechend nicht für jeden geeignet – könnte hart sein zu begreifen, dass im 21sten Jahrhundert noch Leute gibt, die anderen so was antun.

In der russischen Presse wurde diese Tragödie als die 2te Сhatyn genannt. Chatyn ist ein weißrussisches Dorf gewesen, wo die SS-Leute 1943 die gesamte Bevölkerung auf grausame Weise umbrachten. Das Dorf existiert nicht mehr, an der Stelle wurde ein Mahnmal errichtet.

Ich frage mich nun, wieso dieses Ereignis ein Wendepunkt sein soll? Zumindest hat man den Äußerungen der offiziellen westlichen Politik nach diesen Eindruck gewonnen. Warum also ein Wendepunkt? Da müssen sich einige Leute die Frage gefallen lassen, warum sie auf eine solche Tragödie nicht reagieren und diese aufs schärfste verurteilen, ich habe von den westlichen Regierungen kaum eine Reaktion gesehen. Ich bitte darüber nachzudenken.

PS: Die Frage wer ist schuld an dieser Tragödie wurde mittlerweile beantwortet – laut der neuen „Regierung“ in Kiew haben sich die Menschen in Odessa wohl selbst angezündet… Da fehlen mir die Worte um dies zu kommentieren.

Und natürlich ist Putin also an allem schuld – schließlich sah man jede Menge Leute mit Sankt-Georgs-Bändern auf der Kleidung. Die roten Klebebänder werden dabei bewusst ignoriert! Es ist doch so einfach alles auf Russland zu schieben.

Dank der mittlerweile nicht mehr so unbeteiligten Polizei und deren Chef, der ausgetauscht wurde, hat man mehrere Menschen festgenommen. Aber diese festgenommenen Leute hatten gar nichts mit der Tragödie zu tun, sie waren nicht einmal da anwesend. Lediglich dafür, dass sie ein Ende der Gewalt in der Ostukraine forderten, wurden sie festgenommen. Die Pässe wurden ihnen abgenommen, und dank dem Druck der Straße (mittlerweile hat sich das herumgesprochen) kamen sie frei. Sie kamen frei also OHNE PÄSSE! Da kann sich jeder denken, was man mit einem Pass anfangen kann.

Da die Neo-Nazis zwar nach Odessa anreisten, aber nicht zurück, kamen sie sogar zu der Polizei um zu protestieren. Und sie sind immer noch in der Stadt verstreut.

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