Meine Heimat Ukraine (2014/15) – Teil 1

Liebe Freunde,

Frohes neues Jahr!!!

Lange habe ich geschwiegen, und dieser Blog wurde mittlerweile von mir vernachlässigt (sorry). Es ist viel passiert, und während ich hier schreibe dürfte es im Donezk ganz hart sein. Doch dazu später.

Unser heiß geliebter Präsident Poroschenko wird wohl in der nächstbester Zeit per Volksaufstand abgelöst. Sehen wir dann Maidan 3.0? Laut Quellen sind die Falken rund um Jazenjuk, sowie United States Department of State (Außenministerium der USA) dabei das vorzubereiten. Jazenjuk hat sich im Laufe des letzten Jahres als Hardliner bei ATO gezeigt. Aber zugleich wäre seine Ernennung zum Präsidenten eine weitere Katastrophe für das Land auch aus einem anderen Grund.

Ein Jahr seit Euromaidan. Was für eine Katastrophe für Ukraine, die da als Erfolgsbilanz für USA zu verbuchen ist? Ein blühendes Land, das mehr oder weniger eine demokratische politische Struktur hatte, wurde innerhalb eines Jahres in dessen Gegenteil verwandelt. Die Macht wurde gewaltsam übernommen, politisch ungewollte Parteien wurden verboten, Nazi-Verherrlichung wurde zur Normalität. Die russische Sprache, die von großen Teilen der Bevölkerung verwendet wird, wurde zur „Sprache des Feindes“ deklariert. Verbrecher des 2ten Weltkrieges wurden zu „Helden der Nation“. Es wurde eine Strafaktion gegen „ungewünschte“ Teile der eigenen Bevölkerung ausgerollt. Große Teile des Landes liegen in Trümmern.

Bewohner des Donbass werden von Raketen aus den Mehrfachraketenwerfern „Grad“, „Uragan“ oder „Smertsch“ bedroht, viele Häuser sind durch Raketengeschosse zerstört. Wie das aussieht kann man hier sehen.

Es wurden Strafbataillone geschaffen, größtenteils mit Leuten, die Nazismus verherrlichen. Diese Bataillone (Ajdar oder etwa. mittlerweile zum Regiment gewordene Bataillon Asow und andere) wurden Richtung Donbass geschickt, um dort ihr unheil zu machen. Zweifellos für USA ein Triumph.

Ein Zivilflugzeug der ‚Malaysia Airlines‘ (MH-17) wurde abgeschossen. Die Untersuchung dauert bis heute an, die Ergebnisse sollten längst vorliegen. Doch keiner interessiert sich an der Aufarbeitung der Ursachen, obwohl 298 Menschen dabei starben.

In Odessa – einer Stadt mit großer sowjetischer Geschichte – wurden viele Menschen im Gewerkschaftsgebäude eingesperrt und bei lebendigem Leibe verbrannt. Dazu habe ich bereits in diesem Blog ausführlich berichtet.

Mittlerweile wurde Odessa nun, mit Verweis auf erhöhte Gefahr, als Teil des „ATO-Gebiets“ deklariert, mit anderen Worten zum Gebiet, das verbombt werden darf. Mittlerweile findet man auf den Straßen ukrainische Einheiten samt Kriegsgerät.

Poroschenko hat die Bevölkerung aufgerufen in den Krieg zu ziehen. Der Befehl zur Mobilisierung wurde unterschrieben, selbst Frauen und Kinder werden eingezogen. Die Zahl der bereitwilligen für’s Vaterland auf diese Weise zu sterben ist aber gering. Proteste gegen die Mobilisierung halten an. Ebenfalls hat er die Renten- und soziale Leistungen für Bewohner von Donbass gestrichen. Diese würden wahrscheinlich für Raketen aus Mehrfachraketenwerfern gebraucht….

Während in diesem Winter in der (West) – Ukraine Probleme gab die Wohnungen zu beheizen, freuen sich die „patriotischen“ (West) – Ukrainer über „Erfolge“ bei der ATO. Auch wenn es gar keine „Erfolge“ sind, werden sie erfolgreich als solche dargestellt. Selbst der Westen fällt erfolgreich auf diese „Erfolge“ ein. Die russische Darstellung, wonach tausende Menschen  mittlerweile als Zivilisten in Donbass sterben – alles „russische Propaganda“ nicht wahr? Dabei sehen die (West) – Ukrainer nicht, welche „Propaganda“ mittlerweile das ukrainische Fernsehen darstellt. Oder wollen es nicht sehen. Viele (West) – Ukrainer bemühen sich des Internets, blocken fleißig Twitter-Profile oder Facebook-Posts mit toten ukrainischen Soldaten. YouTube-Kanäle mit (aus ukrainischer Sicht) unerwünschtem Inhalt zu blockieren wurde zum Volkssport.

Eines wurde mir deutlich: In dem Westen gibt es eine Informationsblockade, was Ukraine anbetrifft. Sowohl in USA als auch in der EU, vor allem aber in Deutschland gibt es keine Pressefreiheit. Pressefreiheit ist eine Illusion. Vor allem hierzulande ist es so, dass die gesamte Presse die Bevölkerung über die Ursachen und Folgen des Konflikts in der Ukraine anlügt. Auch auf Fernsehen trifft es zu – es gibt keine sachliche Information, geschweige denn Diskussion. Russland wird per se als „Aggressor“ definiert und somit für alles verantwortlich gemacht. Es findet – wahrlich – ein Informationskrieg statt.

Ich dachte, mich kann nichts mehr erschüttern. Ich irrte mich: in dem Westen findet eine Neubewertung des Nazismus als solches und Ereignisse des 2ten WK insbesonderem statt. Ich erkläre gleich mehr dazu.

Die französische Zeitschrift ELLE ist eine Zeitschrift für Mode in Frankreich. Etwa wie VOGUE oder andere. Aber urplötzlich interessierte sich die Chefabteilung nicht nur für Mode, sondern auch für den Krieg in der Ukraine. Offiziell hieß es, man thematisierte die Rolle der Frauen im Krieg in der Ukraine. Man schickte 2 ELLE-Journos nach Ukraine, die 2 Frauen interviewt haben. Anschließend veröffentlichte ELLE ein Photo mit den 2 Frauen.

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Überschrift ELLE: „Ukraine – der besondere Krieg“ / Links: Vita Zaveruha (Bataillon Ajdar) / Rechts: Svetlana Balikova (Regiment Asow)

Ha: anscheinend hat man (wenn man genau hinsieht) die Beschreibungen der Personen vertauscht. Vita rechts und Sveta links? Nicht mal das kriegen die hin…

Nun ist es aber so, dass der Journalismus in dem Westen anscheinend ein Problem hat, Sachen zu recherchieren, bevor man Sachen veröffentlicht. Das ist generell für den westlichen Journalismus zu sagen, hier wird das aber besonders deutlich. Wer sind die Frauen, die man da auf Hochglanz druckte? Das sind Nazis, die in Donbass Menschen töten. Scharfschützen aus Strafbataillon Ajdar und Regiment Asow. Photos findet man in russischen und anderen sozialen Netzwerken.

Hinweis zur Verwendung von verbotenen Symbolen: An dieser Stelle möchte ich mich entschuldigen und ausdrücklich von den nachfolgenden Symbolen distanzieren. Dennoch: ich fühle mich der Objektivität verpflichtet – darum möchte ich die Symbole dennoch verwenden, da sie offen in sozialen Netzwerken bzw. den jeweiligen Profilen der jeweiligen „Damen“ zu finden sind oder zur besseren Informationsdarstellung des Artikels beitragen.

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Links: Vita Zaveruha (Bataillon Ajdar) / Rechts: Weihnachtsgrüße von Svetlana Balikova (Regiment Asow)

Was ich der westlichen Presse also vorhalte – sie druckt ohne nachzuforschen. Es findet keine Recherche statt. Das Wort „Journalist“ kommt nicht von dem Wort „Journal“. Es ist vielmehr ein unterbewerteter Beruf, indem man in Kriegsgebiete geschickt wird, um objektiv aus der „write what you see“ – Perspektive zu berichten. Es darf nicht sein, dass man über die Ukraine aus dem Berliner-Büro heraus berichtet. Es ist zu einfach.

Auf den Sturm der Entrüstung via Twitter (ich nahm auch teil) reagierte ELLE zunächst nicht. Dann verwies man auf ein internes Dokument, indem sie sich entschuldige und jede Form von Nazismus verurteile. „Man habe nichts gewusst“. Als ob das jemand ernsthaft glaubt. Schließlich entschuldigte sich ELLE, allerdings via Artikel in einer anderen französischen Zeitschrift, und nur für EINE der abgebildeten Personen. Es gibt aber ZWEI davon.

Unser Ministerpräsident Jazenjuk war in der Prime-Time bei ARD zu sehen. Doch sein Interview hatte es in sich. Es gab in dem Interview eine Neubewertung der Zeitgeschichte des 2ten WK. Dazu Jazenjuk: „wir können uns sehr gut an den sowjetischen Anmarsch in die Ukraine und Deutschland erinnern. Das müssen wir vermeiden, und keiner hat das Recht die Ergebnisse des 2ten WK neu zu schreiben. Und das versucht der russische Präsident Wladimir Putin zu machen.“

Hier das gesamte Interview:

Autsch. Nicht nur, dass die Moderatorin einfach weitermachte – es gab auch keine Korrektur dieser Aufzeichnung. Dabei wurde das verwendete Wort „Invasion“ mit dem Wort „Anmarsch“ übersetzt. Er meinte somit, Sowjets sind nach Deutschland einmarschiert. Einfach so? Autsch.

Der polnische Außenminister Grzegorz Schetyna  fiel in dasselbe Schema. Er ließ verlauten, dass die Ukrainer – und nicht die Sowjets – das KZ Auschwitz befreit hätten. Das habe er so verstanden, weil das Bataillon, das die Befreiung ermöglichte, „die Ukrainische Front“ hieß. Er musste belehrt werden, dass „die Ukrainische Front“ so hieß, weil sie zuerst in der Ukraine gegen Nazis kämpfte. Das beeindruckte ihn jedoch nicht. Und jetzt das „neueste“ Update von Schetyna: den Sieg über Faschismus sollen wir doch bitteschön künftig in Berlin oder London feiern. Aua, das tut ja weh!

 

 

 

 

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